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Faktencheck: Corona, künstliche Nägel und Profi-Werkzeuge beim Discounter

Faktencheck: Corona, künstliche Nägel und Profi-Werkzeuge beim Discounter

Hier stimmt nichts: Spitzer Fräser, keine Handschuhe, Küchenpapier auf dem Esstisch anstatt desinfizierter Arbeitsplatz

Derzeit kommen ein paar Dinge in der medialen und in der echten Welt zusammen, die die eine oder andere zu einer Unüberlegtheit verleiten könnten.

Ich möchte hier mal auf ein paar Dinge eingehen, die ich derzeit so sehe.

Falsche Panikmache

In sozialen Medien, Zeitungen und auch im Fernsehen wird behauptet, dass künstliche Nägel zur Übertragung des Corona-Virus beitragen können. All diese Berichte gehen letztlich auf eine Veröffentlichung zurück, in der gesagt wurde, dass schlechte künstliche Nägel bei medizinischem Personal die Übertragung begünstigen könnte.

Darum gibt es auch bestimmte Berufe, in denen so etwas nicht so gerne gesehen wird. Das gilt auch für Schmuck und andere Dinge (auch wenn es keineswegs gesetzlich verboten ist). Dabei handelt es sich schlicht um Vorsichtsmaßnahmen und gegebenenfalls um Vorschriften eines Arbeitgebers.

In der Veröffentlichung wurde nicht zwischen Kunstnägeln unterschieden, die professionell angebracht wurden und solchen, die jemand im Drogeriemarkt an der Ecke gekauft und sich selber aufgeklebt hat.

Vielen von Euch habe ich schon erklärt, was dabei passieren kann: werden die Nägel nicht fachmännisch luftdicht und feuchtigkeitsdicht befestigt und versiegelt, können Wasser, Dreck, Bakterien und natürlich auch Viren eindringen. Es können sich Pilze und andere unschöne Dinge entwickeln.

Das Problem kann auch auftreten, wenn jemand gut gemachte Nägel zu lange nicht pflegt und nicht auffrischt. So können beispielsweise Liftings durch Stöße oder eine persönliche Veranlagung entstehen und müssen dann zeitnah entfernt werden!

Falsche Ratschläge

Absurderweise raten diese Artikel abschließend häufig dazu, sich selber die Nägel zu machen, statt einen Profi aufzusuchen. Nicht nur, dass ohne Übung so etwas niemand besser hinbekommt, als jemand, der das gelernt hat und den ganzen Tag nichts anderes tut: es ist auch noch sehr viel schwieriger, an den eigenen Händen solche feinen Arbeiten auszuführen.

Das Ergebnis kann nur schlechter sein und entsprechend werden die oben genannten Gefahren dadurch überhaupt erst wahrscheinlich.

Geschäftemacherei

Wie in jeder Notlage gibt es Geschäftemacher, die versuchen, die Situation auszunutzen. Wer an schöne, saubere Nägel gewöhnt ist und jetzt aufgrund der Zwangsschließungen sein Lieblingsstudio nicht aufsuchen kann, mag sich von den Angeboten angesprochen fühlen. Ich möchte davor warnen, bevor ihr dafür Geld ausgebt.

Inzwischen gibt es sogar Discounter, die relativ hochwertige Geräte anbieten. Diese sind teilweise für den semiprofessionellen Einsatz geeignet und entsprechend kraftvoll. Bei einem Fehler ist eine verhunzte Ästhetik nicht das größte Problem, sondern reale Verletzungen. Ihr könnt euch damit recht schnell ein Loch in den Nagel und das darunter liegende Nagelbett fräsen. Das ist mit großen Schmerzen verbunden und macht einen Arztbesuch nötig, den gerade jetzt wohl niemand möchte. Es muss aber behandelt werden, denn gerade in diesen offenen Stellen können sich Infektionen bilden – auch unter dem beschädigten Naturnagel.

Im schlimmsten Fall sind die Schäden irreparabel – auch für mich.

Bisher habe ich zu all den Entwicklungen und Nachrichten geschwiegen, aber als Eure Ansprechpartnerin für Nägel sehe ich das mit fortschreitender Sorge und kann die Versuchung verstehen, die von den Lockangeboten ausgeht.

Ich bitte euch eindringlich: pflegt Eure Nägel und Haut, haltet sie sauber, vermeidet Beschädigungen und Verletzungen, um euch zu schützen und wenn es wieder erlaubt ist, bringt mir Material mit, mit dem ich noch arbeiten kann.

Fazit

Wenn ihr solche Artikel lest, denkt nach. Es ist unseriös, die Arbeit von Profis abzulehnen und unerfahrenen Leuten dann Selbstversuche aufzuschwatzen.

Überlegt mal, ob ihr eure Zähne selber reparieren würdet, wenn es beim Discounter um die Ecke die Geräte dafür gäbe.